Nominiert in der Kategorie "Beste Innovationsförderung": TheoPrax

1996 begannen Peter Eyerer und Dörthe Krause die Lehr-Lern-Methodik TheoPrax (Theorie und Praxis kombiniert) vom Standort Pfinztal aus zu entwickeln und in verschiedensten Hochschul- (Uni, FHS, DHBW) und Schularten (HS, RS, Gymnasium) anzuwenden. TheoPrax reduziert die frontale Wissensvermittlung und integriert neue Didaktiken zur Steigerung der Problemlösefähigkeit. Schwerpunkt der Inventionsförderung in TheoPrax ist die Lösung industrieller Probleme im Unterricht. Alleinstellungsmerkmal bei der Methodik ist die Gruppen-Projektarbeit in einem Angebots-Auftragsverhältnis an externen Themen aus Wirtschaft, Kommune und Forschung ab Klasse 8.

TheoPrax begleitet die Projekte mit praxisnahen Projektmanagement-Modulen. In einem Beispielsfall nahmen sich fünf Mädchen der Klasse 8 im Technik-Unterricht der Problemstellung an, wie Kinder die Fischertechnik-Baukästen – Beispiel elektrischer Aufzug – nach dem Zusammenbau intensiver und kreativer weiternutzen können. Sie bauten an den Aufzug eine Kugelbahn. Mit Hilfe ihres Physiklehrers schafften sie den Gleichschritt zwischen rollender Kugel und Ankunft des Förderkorbes an beiden Endpunkten und bauten einen Prototyp. Ein Jahr später brachte Fischertechnik das Produkt erfolgreich auf den Markt.

 

Qualifizierung für die „Beste Innovationsförderung“

Insgesamt erarbeiteten bisher ca. 8.000 Lernende, betreut von ca. 2.000 Lehrenden, in ca. 1.600 solcher TP-Projekte (Unikate) seit 1996 an Schulen (ca. 1.300) und Hochschulen (ca. 300) in Deutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Berlin, Saarland) analoge erfolgreiche Inventionen, die kleine und große Firmen zu Innovationen umsetzten. Neben dem TheoPrax-Zentrum und der TheoPrax Stiftung gibt es 18 selbstständig, regional arbeitende TheoPrax-Einheiten in Deutschland. Sie alle haben über Jahrzehnte ein großes Netzwerk zur Verflechtung von Schulen und Hochschulen mit regionalen Firmen geschaffen.

 

Ausprägung der Qualifizierung

TheoPrax ist Gründungsmitglied des Initiativkreises „Unternehmergeist in die Schulen“ des BMWi, sowie Mitglied in weiteren Innovationsfördernden Netzwerken, wie z.B. dem Bundesverband der Schülerlabore Lernort Labor (LeLa) Kiel (repräsentiert 204 der 409 Schülerlabore in Deutschland). TheoPrax hat LeLa maßgeblich in Richtung Engineering und unternehmerisches Handeln mitgeprägt und trägt wesentlich dazu bei, dass Lernende ihre Stärken frühzeitiger erkennen und die Berufswahl zielsicherer treffen. Das frühzeitige Lösen von industriellen Themen in Kooperation mit den Firmen prägt Jugendliche für unternehmerisches Denken und Handeln. Aber auch Lehrende verändern sich dadurch spürbar in Richtung wirtschaftliches Denken.

TheoPrax ist bereits international verbreitet. In Brasilien wurde die Methodik 2006 im Auftrag von SENAI eingeführt. Das dortige Zentrum von TheoPrax ist in Salvador de Bahia. Alle 15 Standorte (SENAI, Systema FIEB) in Bahia wenden die TheoPrax-Methode seit 2012 in allen Studienplänen verpflichtend über insgesamt 4 Semester an. Jährlich werden dort ca. 3.000 Industrieprojekte zu innovativen Produkten und/ oder Verbesserungen erarbeitet. Jährlich erfolgt auch die Verleihung des TheoPrax-Preises in Brasilien an die 3 besten Innovationsarbeiten. Seit 2014 wurde TheoPrax im Auftrag des Landesschulrates als benotete Projektarbeit in den Gymnasien in Oberösterreich eingeführt. Seit 2018 ist die TheoPrax-Projektarbeit maturafähig, auch hier mit stetig wachsenden Innovationen (jährlich derzeit ca. 50 Projekte). Seit 2017 erarbeiten erste bilinguale Schülerteams aus den Grenzländern Elsass, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in der TheoPrax-Methode Themen, deren Auftraggeber französische oder deutsche Firmen sind. In Zusammenarbeit mit der Junior Akademie in der Ukraine liefen seit 2013 Vorbereitungen, um TheoPrax einzuführen, welche Infolge des Krieges stoppten. Seit Oktober 2019 werden die ersten 25 Lehrer:innen in der TheoPrax-Methodik ausgebildet, um auch dort Innovationsförderung in Schulen und Hochschulen zu betreiben. Weiterer Schwerpunkt in der TheoPrax-Projektarbeit in Kiew ist die Anwendung der deutschen Sprache, eine Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut.

 

Vereinbarkeit mit der Rudolf-Diesel-Medaille

Die vielen Verbesserungen an Maschinen, Konzepten, Geräten, Werkstatteinrichtungen, sowie die bereits realisierten Produktentwicklungen, die von den Lernenden als Prototypen hergestellt wurden, sind ein Beweis für das starke Interesse der Lernenden an Inventionen. Durch TheoPrax ist dies in großem Umfang machbar und gestaltbar und fördert somit die Innovationskultur in Schulen und Hochschulen in Deutschland. Die Gründung von bisher vier Offenen Jugendwerkstätten (OJW) zum Bau solcher Prototypen in Deutschland und 15 OJWs in Brasilien sind ein weiterer Beweis für die innovationsfördernde Wirkung der Methodik TheoPrax. Die methodische Begleitung der Projektarbeit mit ausgeprägt praxisnahen Management-Modulen vertieft die Kombination von ingenieurmäßigem Entwickeln mit wirtschaftlichen Zwängen. Ein Beispiel für ein erfolgreiches Projekt sind zwei Bachelorarbeiten nach der Methodik TheoPrax an der HGWT Konstanz zum 3D Skelett-Wickel von carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) im Extremleichtbau, über welche 40% Masse-Einsparung gegenüber dem heutigen Stand der Technik erreicht wurden. Fördermittel zu Vorbereitung einer Ausgründung konnten eingeworben werden.

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