Nominiert in der Kategorie "Erfolgreichste Innovationsleistung": GOLDBECK GmbH

Ortwin Goldbeck entstammt einer Schlosserfamilie. Schon früh stellte der junge Ingenieur und Schlossermeister fest, dass er seine zukunftsgewandten Ideen im klassischen Schlossereiumfeld nicht verwirklichen kann. Die übliche Branchenregel lautete: Konzepte müssen schnell und robust umsetzbar sein. Arbeitszeit ist teuer. Der Materialaufwand ist sekundär. Herr Goldbeck sah das anders: Sein Ziel war es, beides zu erreichen.

Im ersten Schritt optimierter Materialeinsatz, im zweiten Schritt ein Design, das gelingsicher mit geringem Aufwand verbaut werden kann. So gründete er 1969 mit 30 Jahren sein eigenes Stahlbauunternehmen. Das Unternehmen wuchs beachtlich. Früh wurde ein Konzept für die „Fließfertigung im Stahlbau“ eingeführt. Anfang der 80er Jahre, das Unternehmen hatte bereits ca. 150 Mitarbeiter:innen, war die Konjunktur schwierig und die Region weitgehend ausgeschöpft. Der Wertschöpfungsanteil „Stahlbau“ war für eine weitere Entwicklung des Unternehmens nicht mehr ausreichend. Ortwin Goldbeck entschied sich, das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Von nun an realisierte das Unternehmen GOLDBECK schlüsselfertige Wirtschaftsgebäude mit einem Fokus auf die Produkte Hallen, Bürogebäude und Parkhäuser.

Weiterhin wurde deutlich, dass der erklärungsbedürftige Ansatz von Planung, Konzeption und Bau aus einer Hand nur dann erfolgreich in den Markt getragen werden kann, wenn eine dezentrale Organisation vor Ort wirtschaftlich eigenständig handlungsfähig ist. Durch die Philosophie „Vertrauen vor Kontrolle“ konnten die Werte von Ostwestfalen-Lippe durch Niederlassungen nach Europa getragen werden. Die Grenzöffnung führte zu erheblichem Wachstum in den neuen Bundesländern, Polen und Tschechien. Bei jährlichen Wachstumsquoten von 20 bis 30 % wollte der Kapitalmarkt Goldbeck davon überzeugen, das Unternehmen an die Börse zu führen. Die Familie lehnte aufgrund ihrer Werte ab. 1997 wird GOLDBECK International gegründet. Das Unternehmen hat jetzt Niederlassungen in Tschechien, Polen, der Slowakei, Österreich und Großbritannien. 2007 übergibt der Gründer Ortwin Goldbeck den Staffelstab an seine Söhne Jörg-Uwe, Joachim und Jan-Hendrik. Er selbst wechselt in den Unternehmensbeirat. Sein ursprüngliches Ziel, einmal 100 Mio. DM Umsatz zu erwirtschaften hat er mit ca. 750 Mio. € erheblich übertroffen. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen mehr als 7.800 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Umsatz von rund 3,5 Mrd. €.

 

Qualifizierung für die „Erfolgreichste Innovationsleistung“

Ortwin Goldbeck hätte in die Familienschlosserei einsteigen können. Er wollte jedoch seinen eigenen Weg gehen. Er hat die Regeln der Branche außer Kraft gesetzt und damit in der Baubranche neue Freiheitsgrade geschaffen. Durch die industrielle Vorfertigung von Bauelementen ist es möglich, höchste Qualitätsansprüche zu erfüllen und gleichzeitig maximal zuverlässige Bauzeitenpläne einzuhalten. Durch die Prozessintegration von Planung, Konzeption und Umsetzung aus einer Hand ist es möglich, branchenübliche Abstimmungsprobleme von vornherein auszuschließen. Ortwin Goldbeck hat die Baubranche nachhaltig revolutioniert und ein Unternehmen mit nachhaltigen Werten geschaffen. Bereits seit 1984 beteiligt GOLDBECK die Mitarbeitenden am Erfolg — das bis dato ebenfalls beispiellose Beteiligungsmodell wird später vielfach ausgezeichnet.

 

Ausprägung der Qualifizierung

Ohne die Umkehr der Branchenlogik im Stahlbau hätte es keinen Unternehmenskern gegeben. Von Beginn an war es das Ziel von Herrn Goldbeck, den Ressourceneinsatz beim Bauen durch die industrielle Vorfertigung deutlich zu reduzieren. Mit der strategischen Neuausrichtung kam der integrale Ansatz hinzu: Goldbeck verstand Gebäude als Produkte, die aus einer Hand konzipiert, gebaut und schlüsselfertig an Kunden übergeben werden. Neben der Neuerfindung des Gewerbebaus sind es bis heute auch starke Unternehmenswerte wie „Vertrauen vor Kontrolle“, die den Erfolg und das Wachstum des Unternehmens maßgeblich befördern.

Damit ist die Entwicklung von GOLDBECK jedoch nicht vorbei. Bereits seit Jahren betreut das Unternehmen Gebäude dauerhaft in den Bereichen Facility-, Property- und Parking Services. Wir dürfen auf die Ideen, die aus diesem ganzheitlichen Ansatz entstehen, gespannt sein. Eines hat GOLDBECK in der Vergangenheit bewiesen: GOLDBECK ist in der Lage, Branchenregeln zu hinterfragen und neu zu definieren. Und sicher wird GOLDBECK nicht stillstehen, sondern es erneut tun.

 

Vereinbarkeit mit der Rudolf-Diesel-Medaille

Ortwin Goldbeck hätte mit dem Aufbau des eigenen Unternehmens mehr als genug zu tun gehabt. Trotz der Verantwortung für die Belange des eigenen Unternehmens hat sich Herr Goldbeck von Beginn an ehrenamtlich engagiert. Einerseits fachbezogen: Zuerst im Stahlbauverband. Dann von 2006 bis 2014 als Präsident der IHK Ostwestfalen, die ihn danach zum Ehrenpräsidenten wählte. Der Position als Vorsitzender des Vereins Gildenhaus folgte nach dem turnusmäßigen Übergang nach der zweiten Periode ebenso die Wahl zum Ehrenvorsitzenden. Goldbeck war 12 Jahre Vorsitzender der Universitätsgesellschaft in Bielefeld und förderte die Gründung des Instituts für Familienunternehmen OWL in Form einer Stiftungsprofessur. 2019 wurde Ortwin Goldbeck für sein vielfältiges Engagement für seine Heimatstadt Bielefeld zum Ehrenbürger gewählt.

Das Engagement geht jedoch weit über fachliche Belange hinaus: Als Unterstützer der Kunst tat sich Goldbeck etwa bei der Konstruktion des »Spiegel« vor der Bielefelder Stadthalle und dem Umbau der früheren OWL-Handwerkskammer zum Ortwin Goldbeck Forum mit dem Kunstforum Hermann Stenner hervor. Im sozialen Bereich leitete er ehrenamtlich sieben Jahre den Verwaltungsrat der 1867 gegründeten von-Bodelschwinghschen Stiftungen mit mehr als 20.000 Mitarbeiter:innen. Die Stiftungen engagieren sich jährlich für mehr als 230.000 hilfsbedürftige Menschen.

Nach der Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse 2007 wurde mit der Höherstufung 2014 das gesamte Lebenswerk des Familienunternehmers gewürdigt, das sich durch vielfältiges ehrenamtliches und wohltätiges Wirken auszeichnet. Besonders hervorgehoben wurden dabei seine Verdienste um die heimische Wirtschaft, die Ausbildung junger Menschen und um das Allgemeinwohl. In seiner Laudatio erklärte Minister Duin: „Ortwin Goldbeck hat das unternehmerische Idealbild des ehrbaren Kaufmanns ein Leben lang gelebt. Sein menschenfreundliches Denken und Verhalten zeichnen diesen Unternehmer in herausragendem Maße aus. Auf Menschen wie ihn sind wir in unserer Gesellschaft angewiesen.“

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